Relegatia
Die letzte Lüge

Als er ihren Tod nahen spürt, führt Athariel die Göttin der Liebe auf ihren letzten Gang und findet in ihren Augen ein Versprechen, das er nicht erwidern kann...

Eine Kurzgeschichte über das, was am Ende bleibt.

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Die Welt Relegatia

Um dem geneigten Leser den Weg nach Relegatia zu erleichtern, bietet diese Seite einen kurzen "Reiseführer", der über Legenden, Land und Leute Auskunft gibt.

Legenden

Am Anfang jeder Kultur stehen meist die Legenden, angefangen bei Schöpfungsmythen, über Heldensagen bis hin zu Prophezeiung von Tod und Feuer. Relegatia bildet hier keine Ausnahme, obwohl viele seiner Bewohner Geschichten für Geschichte halten - und natürlich umgekehrt.

Unsere erste Legende spielt im Jahre Null und handelt von den ersten Menschen, die den Planeten besiedelten. Die Rede ist von den Vierzehn, mächtigen Magiern, deren Nachfahren noch heute große Macht besitzen. Sie segelten mit einem Weltenschiff, der Sternenlicht, durch die endlose Schwärze des Alls und kamen nach Relegatia.

Damals war der Planet noch in den Händen der neun Drachen, wilden Bestien von gewaltiger Stärke. Die Vierzehn rangen einen nach dem anderen nieder und bannten sie in Kristall, wo sie noch Jahrhunderte später schlummerten.

Nachdem sie sich den Planeten zu eigen gemacht hatten, woben sie einen Zauber, der ihnen Unsterblichkeit gewähren sollte. Die Geschichten unterscheiden sich an diesem Punkt, denn es ist strittig, inwieweit das Unterfangen der Vierzehn von Erfolg gekrönt war. Eines jedoch gewiss. Jeder von ihnen wählte ein Attribut, einem Adelstitel nicht unähnlich. So nannte sich zum Beispiel Nemorra vom Tag des Zaubers an Göttin des Todes.

Starb einer der selbsterklärten Götter, so ging sein Titel an das erstgeborene Kind weiter. Gab es keines, so fand sich wie durch Zauberhand stets einer, der das Erbe in Anspruch nahm. Die Nachfahren der Vierzehn behaupten von sich, noch immer all die Erinnerung ihrer Vorgänger in sich zu tragen. Außerdem ist jeder von ihnen stets ein hervorragender Magier gewesen, weshalb ihnen trotz des ungeklärten Anspruchs ein gewisser Respekt sicher ist.

Das Bild der Vierzehn, die die Zivilisation aus dem Chaos emporhoben, ist stets angezweifelt worden, denn andere Quellen wissen von zwei Weltenschiffen zu berichten. Doch das alles würde hier zu weit führen...

Land

Da nicht gewiss ist, in welches Zeitalter der geneigte Leser reist, sind manche Dinge, die ich nun erzähle, mit Vorsicht zu genießen. Grob lässt sich Relegatia in drei Kontinente einteilen, Vayanien im Norden, Lutanien im Westen und Jolanien um Osten. Zumindest in den ersten Jahrhunderten ist der Planet noch relativ dünn besiedelt, die Menschen leben in kleinen, weit voneinander entfernten Siedlungen, die weitgehend autark sind. Es gibt eine gemeinschaftliche Währung namens Goldtaler. Ländergrenzen oder Kriege sind den Menschen in Relegatia weitgehend unbekannt. Dennoch führen viele von ihnen Waffen und Magie, um sich gegen die nicht gerade ungefährliche Fauna und Flora zur Wehr zu setzen.

Viele der vierzehn sterblichen Götter haben Residenzen errichtet, zum Teil prachtvolles Zentrum einer Siedlung, zum Teil versteckt in den unwirtlichsten Landstrichen des Planeten. Manche dieser Tempel sind verlassen worden, doch andere wurden zum Mittelpunkt des Attributs, das der Gott sein Eigen nennt. So ist es in Jolanien gar nicht unüblich, sich im Tempel der Liebe in Herzensangelegenheiten beraten zu lassen.

Das Land der drei Kontinente ist unbezähmt, an vielen Orten sogar noch unberührt. Keine Straßen wurden außerhalb der Siedlungen gezogen, keine Schneisen in die endlosen Wälder geschlagen. Und obwohl die Drachen, wenn es sie denn je gegeben hat, längst gebannt worden sind, ist der Planet bevölkert von allerlei gefährlichem Getier, dass die Siedler nur zu gerne als willkommene Abwechslung des Speiseplans sieht. Weite Reisen sind deswegen ein Wagnis und die meisten ziehen es vor, im Umkreis der Siedlungen zu bleiben. Doch andere, wie das fahrende Volk oder das Wüstenvolk der Nhubi'Reg, sehen diese Gefahr nur als willkommene Gelegenheit, ihren Mut zu beweisen.

Viele Dinge wären zu erwähnen, wollte man die Wunder Relegatias aufzählen. Da wären die Tempel der Vierzehn, der azurblaue See von Norland, an dem des Nachts traurige Melodien aus der Tiefe klingen, der Kesselberg, in dessen feurigen Innereien sich eine verlorene Stadt befindet, der Schleierwald, über dem der Nebel ruht, wie eine weiße Decke, oder auch Titania, die Stadt der Illusionsmagie.

Leute

Alle Bewohner Relegatias über einen Kamm zu scheren dürfte sich wohl als unmöglich erweisen. Zu unterschiedlich sind Kontinente, Landstriche und sogar Siedlungen, die generationenlang nur spärlichen Kontakt miteinander hatten. Deshalb mögen dem geneigten Leser die Beispiele genügen, die hier zur Sprache kommen. Bedenkt man die Entstehungsgeschichte Relegatias, so ist es sicher nicht verwunderlich, dass Unabhängigkeit hoch eingeschätzt wird. Die meisten Siedlungen sind zumindest in den ersten Jahrhunderten noch sehr klein und im Zweifelsfall liegt es an jedem einzelnen, das Überleben zu sichern. Das soll nicht heißen, dass die Menschen Relegatias kaltherzig sind, sondern vielmehr, dass sie die Entscheidungen über ihr Leben nur selten anderen überlassen. Wie bereits erwähnt ist der Planet groß und bietet jedem Heißblut genug Möglichkeiten, sich selbst zu beweisen. Fünfhundert Jahre lang sieht die junge Welt keinen Krieg, denn es ist einfach genügend Platz da, um sich aus dem Weg zu gehen.

Im Lichte dieses Mangels an Autorität verwundert es sicher niemanden, dass die Menschen Relegatias keinerlei Religion haben, denn selbst die vierzehn Götter sind sterblich. Magie allerdings ist etwas völlig anderes, denn nicht nur den Vierzehn wurde die Begabung dazu in die Wiege gelegt. Man bedient sich der Zauberei zu vielerlei Dingen, zur Jagd, zur Heilung, sogar zur Unterhaltung. Dabei ist das Wesen der Magie oft jenen suspekt, denen sie nicht gegeben ist. Manche tun sie sogar als Ammenmärchen ab, zusammen mit Drachen und Göttern.

Die Regeln des Zusammenlebens unterscheiden sich von Landtstrich zu Landstrich und von Volk zu Volk. Da gibt es die Nhubi'Reg, die durch die Wüste ziehen, sich Sklaven halten und deren Männer den Frauen untertan sind. Oder die Riani im Norden Jolaniens, bei denen die Kinder eine Maske tragen, bis sie würdig sind, ihr Gesicht zu zeigen. Das Volk von Nequiza steht unter der Herrschaft eines Königs und misstraut allen Magiern, während in Garvoroth ein solcher die Macht über die Stadt erlangt.

Doch nicht nur Menschen bevölkern die Kontinente Relegatias, denn in den tiefsten Gewässern leben die Meerleute, stolze Geschöpfe der Wellen, deren Wege sich mit den Menschen nur selten überschneiden. Von ihrem Erbe legitimiert sich der Magierorden der Leana, einer Nixe, die ihr Volk verließ und unter den Menschen lebte.

Die Reise beginnt ...

All das ist natürlich nur ein winziger Bruchteil aller Wunder, die den geneigten Leser auf den drei Kontinenten erwarten. Bleibt nur noch, allen eine gute Reise zu wünschen, auf dass sie in dieser jungen Welt eine unvergessliche Zeit verbringen.